Es lebe der Mülleimer!
Liebe Schweinehundefreunde,
schon wieder ist ein Monat rum und wir fragen uns: Wo ist nur die Zeit geblieben?
Die Zeit geht viel zu schnell vorbei
Manch eine(r) mag nun anmerken, dass die Zeit zu schnell vorbeigeht und will ihr hinterher trauern. Ich sehe das nicht so. Im Gegenteil: Ich betrachte Zeit als das Medium, in dem die Ereignisse unseres Lebens nun mal stattfinden. Das bedeutet, wir tauschen Zeit gegen Leben selbst. Vergeuden wir Zeit, ohne während ihr so zu leben, wie wir es wünschen, bringen wir sie zwar mit irgendetwas herum, empfinden ihr Vergehen aber letztlich als sinnlos – und trauern ihr hinterher, wobei wir damit eigentlich die "falsch" gelebten Momente meinen. Schaffen wir hingegen wertvolle Momente bzw. geschehen "echte" Ereignisse, muss dafür auch Zeit vergehen. Logisch. Und tröstlich.
Zwei wichtige Fragen
Begänne ich also, mich darüber zu grämen, dass die Zeit zu schnell vergeht, hieße das, ich müsste mir zwei wichtige Fragen stellen:
- "Was habe ich schon wieder nicht geschafft?" Denn offenbar sind Dinge auf der Strecke geblieben, die mir wichtig sind. Warum? Weil meine Prioriäten nicht klar sind? Weil meine Disziplin unterentwickelt ist? Weil ich meine Pläne und Träume verleugne?
- Und: "Womit habe ich meine Zeit stattdessen verplempert?" Denn eines ist klar: Irgendwie ist sie ja herumgegangen, die liebe Zeit. Auch wenn ich während ihr etwas gemacht habe, was ich eigentlich gar nicht tun wollte.
Nie genug Zeit
Während sich die meisten Menschen vor allem mit Frage Nummer eins beschäftigen, kommt Frage zwei gerne zu kurz. Klar: Es ist schließlich viel bequemer, sich seine Träume zusammenzuspinnen und hinterher darüber zu jammern, wie ärgerlich es ist, "nie" genug Zeit für sie zu haben. Kennt ja auch jeder, das Phänomen. Und verständnisvolle Schulterklopfer sind ebenfalls garantiert: Sind wir nicht alle vielbeschäftigt? Allgemeiner Konsens: Es geht halt nicht alles im Leben …
Nebensachen, Ablenkungen, Gedöns aller Art
Schade. Denn eigentlich sollte uns allen klar sein (und ist es auch), dass wir nicht mehr Zeit pro Tag herzaubern können, sondern unsere Prioritäten klären sollten. Und das heißt vor allem nicht: "Was werde ich noch alles tun?" Sondern es heißt in erster Linie: "Was werde ich nicht mehr tun?" Es bedeutet, sich einzuschränken. Es bedeutet, ganz bewusst und konsequent Zeitdiebe in die Schranken zu weisen. Nein zu sagen. Und zwar immer wieder. Zu Nebensachen, Ablenkungen, Gedöns aller Art. Mitunter auch zu anderen Menschen, die unsere Zeit in Anspruch nehmen möchten (vielleicht hin und wieder aus eigennützigen Motiven). Auch zu Projekten und einzelnen Aufgaben, die wir "so nebenbei" machen, weil wir sie zwar irgendwann angefangen haben, aber gar nicht mehr richtig dahinter stehen. Sprich: Was wir wirklich brauchen, um voranzukommen, ist neben unseren Zielen und unserer Richtung auch die systematische Mülleimerfunktion, die unser Leben routinemäßig auf Zeit- und Energiefresser abcheckt und diese dorthin befördert, wo sie hingehören: eben in den Mülleimer.
Mülleimerübungen
Und so habe ich dieses Jahr einerseits zwar ein paar schöne Ergebnisse und Ereignisse vorzuweisen, was mich freut und mir Spaß gemacht hat (u. a. sind die beiden nächsten Günter-Hörbücher fertig eingesprochen, haben schon wieder einige Vorträge und Seminare stattgefunden, sowie ein paar TV- und Buch-Dinge und ich habe wieder tolle Menschen kennen gelernt). Andererseits aber habe ich noch sehr viel vor in diesem Jahr – und zwar einiges außerhalb meiner "üblichen" beruflichen Tätigkeiten. Also habe ich das Jahr auch mit ein paar konkreten Mülleimerübungen begonnen und werde diese Taktik konsequenter als sonst fortführen.
Hier ein paar Punkte meiner persönlichen "Was werde ich nicht mehr tun?"-Liste:
- Ich habe zwei konkrete Buchprojekte abgesagt.
- Ich beantworte meine Mails knapper und automatisierter als bisher und antworte erst dann, wenn ich wirklich Zeit dafür habe.
- Ich mache noch weniger Smalltalk als ohnehin schon, obwohl ich riskiere, dass sich manche auf den Schlips getreten fühlen, weil sie viel beziehungsorientierter sind als ich. Nein, auch persönliche Kontakte sind oft Zeitdiebe!
- Ich führe keine Gespräche mehr, bei denen nicht Lösungen im Vordergrund stehen, sondern das Äußern diffuser Unzufriedenheiten.
- Ich schiebe öfter mein Ego zur Seite, wenn mir etwas zwar nicht passt, mir aber letztlich egal sein kann. Ich lasse mich auf keine fruchtlosen Diskussionen mehr ein. Motto: "Du hast Recht und ich meine Ruhe!"
- Ich mache keine Arbeiten für andere mehr. Wenn jemand etwas von mir will, überlege ich mir früher als bisher: "Kann XY das auch selbst machen? Will er/sie das vielleicht nicht und kommt deswegen zu mir?"
- Ich werde mir für einige organisatorische Aufgaben noch mehr Unterstützung von anderen holen. Jedoch nur von Menschen, die Probleme selbstständig lösen können und keine neuen schaffen.
- Ich achte noch mehr als sonst darauf, in meinem Umfeld keinerlei (!) Energievampire zu haben.
- Ich kommuniziere klarer meine Meinung und bin dabei mitunter auch weniger diplomatisch.
- Vielleicht schreibe ich hin und wieder sogar etwas kürzere Motivationsbriefe in meinem Newsletter und Blog.
Ungestört sein Ding machen
Und so weiter. Hmm, wenn ich so drüberlese, bemerke ich mal wieder eines meiner zentralen Persönlichkeitsmerkmale/Themen: Ich mag Menschen zwar sehr gerne, fühle mich aber am wohlsten, wenn ich ungestört "mein Ding" machen kann. Nun, so bin ich – auch wenn viele da anders ticken.
Der systematische Mülleimer
So weit also zu meinem eigenen systematischen Mülleimer. Wie sieht es denn mit deinem aus? Was tust du in Zukunft nicht mehr bzw. was möchtest du nicht mehr tun? Wen oder was entfernst du aus deinem Alltag, damit du deine Träume leben kannst und sich deine Wünsche erfüllen?
Es lebe der Mülleimer
Los: Sei keinesfalls zu zimperlich! Denn in der frei werdenden Zeit kannst du das machen, was du eigentlich tun wollest. Es lebe der Mülleimer!
Herzliche Schweinehundegrüße,
Stefan Frädrich
Dankeschön, toller Beitrag.
Dankeschön, toller Beitrag.