Wie gesund ist Feuer im Mund?
Du isst gerne scharf? Kein Problem, denn feurige Speisen heizen nicht nur dem Körper kräftig ein. Sie üben eine ganze Reihe von positiven Effekten im Stoffwechsel aus.
Was macht überhaupt Speisen scharf?
Als Scharfmacher gelten die sekundären Pflanzenstoffe Capsaicin in Chili, Piperin in Pfeffer, Senföle in Meerrettich und Senf, Allicin in Knoblauch sowie Gingerol in Ingwer. Am schärfsten ist das Capsaicin. Wörtlich übersetzt heißt es: „Ich beiße“! Die Scheidewände von Chilis und Peperonis enthalten besonders viel Capsaicin. Scharfstoffe lassen sich übrigens nicht wie süß oder sauer über die Geschmacksknospen der Zunge schmecken. Sie werden über Wärme- und Schmerzrezeptoren im Mund wahrgenommen. Da diese Schmerzrezeptoren auch Sensoren für Hitze sind, löst vor allem Capsaicin gleichzeitig Hitzewallungen oder Schweißausbrüche aus. Die Schärfe einer Speise variiert je nach Temperatur. Je heißer das Essen, umso schärfer ist es.
Scharfes ist nichts für empfindliche Mägen
Wer unter Sodbrennen oder einem Reizmagen leidet, verzichtet am besten auf sehr scharfes Essen. Auch für Kleinkinder sind stark gewürzte Speisen ungünstig, da ihr Verdauungssystem erst nach und nach an schärfere Lebensmittel gewöhnt werden muss. Alle anderen profitieren jedoch von den heilsamen Eigenschaften der Scharfstoffe:
- Scharfes Essen erhöht die Magensaftproduktion und wirkt dadurch verdauungsfördernd. Besonders die Fettverdauung wird durch Scharfmacher angeregt. Außerdem regen scharfe Substanzen die Darmbewegung an, wodurch der Nahrungsbrei besser vermengt und verdaut wird.
- Der saure Magensaft wirkt außerdem antibakteriell. Krankmachende Mikroorganismen werden wirksam abgetötet. Gerade in tropischen Gebieten wird generell scharf gewürzt, um Darminfektionen vorzubeugen.
- Im Mund wird der Speichelfluss angeregt, was sich positiv auf die Zahngesundheit auswirkt. Durch den erhöhten Speichelfluss werden Mund und Zähne besser von Nahrungsresten gereinigt.
- Scharfmacher im Essen erhöhen das Geschmacksempfinden. Die gereizten Rezeptoren in den Schleimhäuten werden besser durchblutet und folglich auch die benachbarten Geschmacksnerven für die eigentlichen Geschmacksrichtungen süß, sauer, bitter, salzig oder umami.
- Auch bei Erkältungen helfen scharfe Lebensmittel und Gewürze. Sie regen die Produktion von Nasensekret an und wirken auch auf die Bronchien schleimlösend, so dass der Schleim besser abgehustet werden kann.
- In mehreren Studien konnte zudem beobachtet werden, dass Capsaicin die Thermogenese und damit den Energiestoffwechsel erhöht. Das heißt im Klartext, dass nach einer scharfen Mahlzeit mehr Kalorien verbrannt werden.
- Last but not least: Ein feuriges Essen macht einfach gute Laune, denn durch den Schmerzreiz werden euphorisierende Endorphine ausgeschüttet. Man nennt dies auch den „Pepper-High-Effekt“.
Erste Hilfe in der Küche
Ist dir eine Speise zu scharf geraten, können fetthaltige Milchprodukte wie Joghurt, Schmand oder Sahne den Geschmack abmildern.
Brennt ein scharfes Gericht regelrecht im Mund, besser kein Wasser trinken. Denn Capsaicin löst sich nur in Fett. Ein Glas Milch oder ein Joghurtgetränk nimmt dagegen die Schärfe. Etwas Brot essen ist auch hilfreich, da es die Schleimhäute abdeckt und den Speichel aufnimmt. Auch eine Prise Zucker langsam auf der Zunge zergehen lassen, saugt die Schärfe auf.
Hättest du’s gewusst? :
Bei ABC-Pflastern steht das C für Capsaicin. Der Scharfmacher wirkt hier durchblutungsfördernd und schmerzlindernd.